PRESSE STIMMEN

GRANMAS DARLEHEN

‚Bürgerkrieg’ - CD

Palmo Music


WAHRSCHAUER  musik-mag   April 2011

„Hereinspaziert, was darf’s denn sein?“. Mit dieser Eröffnung beginnt das Debütalbum der fünf Jungs aus Leipzig. „Es darf guter Rock mit kritischen Texten sein!“, antwortet man da als geneigter Zuhörer - und wird keineswegs enttäuscht! Humor beweisen GRANMAS DARLEHEN schon allein durch ihren Namen, der die Frage aufwirft, ob man die liebe Großmama wohl für die Produktion der Scheibe angepumpt hat…
Die Musiker spielen eine tolle Mischung aus fettem Rock gepaart mit polit- und sozialkritischen Texten. Jeder der elf Songs regt auf seine eigene Art zum Nachdenken an. Manche Stücke verraten erst nach dem dritten oder vierten Durchlauf ihren Sinn, haben aber durch die Bank weg Hit-Potential: „Schweineverein“ (gespickt mit Zitaten von Norbert Blüm und Helmut Kohl), „Herbstlied“ (beleuchtet ein wenig die Ereignisse des deutschen Herbstes 1977) oder „Vollstrecker“ (mit Kritik am außenpolitischen Verhalten des Westens – gerade was Libyen angeht sehr aktuell). Das ist Rock mit Herz und Verstand und dem Aufruf „Keinen Fußbreit“!

Ich könnte mich nun zu jedem Lied auf dem Album auslassen, aber dann entgeht euch der Spaß, sie für euch selbst zu entdecken. Diese Scheibe ist eine neue Form der Protestmusik in der Tradition der Texte eines Reinhard Meys - mit Witz, Nachdenkpotential und vielen Aufforderungen. Allerdings wird sie durch den Sound der 3 Gitarren eher was für Freunde des kompromisslosen Rocks sein.
Das Darlehen können die Jungs jedenfalls inklusive Zinsen ohne Probleme zurückzahlen, denn „Bürgerkrieg“ verspricht ein Erfolg zu werden und macht Hunger auf Live-Auftritte der Jungs.
Fazit zu der Platte: „Es ist Bürgerkrieg, Bürgerkrieg! Kauft! Leute kauft ein!“ (Track No.1).

 

OX-Fanzine, #95, April/Mai 2011

Freiheit ist relativ – Dummheit nicht. So das Motto dieses Leipziger Quintetts, das sich wie ein roter Faden durch die elf Stücke des Debüts zieht. Ganz klare Rhetorik findet man zum Beispiel bei „Keinen Fußbreit“ und dem Titelsong. Überhaupt sind neben der Musik alle Texte durchaus hörenswert. Keine aufgesetzte Coolness und Attitüde, vielmehr kritische und lakonische Beobachtungen unseres gesellschaftlichen Alltags („Schlachtbankblues“, „Heul doch“). Dazu passt der Gesangsstil des Sängers, der dem eines Herrn Balanskat (SKEPTIKER) nahezu identisch ist. Auch von der Musik drängt sich dieser Vergleich auf, wäre aber zu eindimensional, denn so wie es wild rockenden Punk gibt, scheinen die Herren eine ausgeprägte Leidenschaft für klassischen Metal und unpeinlichen Hardrock zu haben. So liefert die Band hier ein abwechslungsreiches und handwerklich einwandfreies Potpourri im Punk-Metal-Rock-Blues-Kontext ab. Blues bedeutet in diesem Zusammenhang, den alten Ost-Blues-Kapellen Tribut zu zollen, die zu DDR-Zeiten Clubs wie den Leipziger Anker zur Kultstätte werden ließen. „Thommys Blues“ verstehe ich jetzt einfach mal als Hommage daran und gefällt mir neben „Nicht alles muss wie früher sein“ (schöne Geschwindigkeitswechsel), „Schweineverein“ („braune Suppe mit Weißwurst“) und „Herbstlied“ am besten. Das letztgenannte Lied entwickelt sich von einer ruhigen Rock-Ballade zu einer rasanten Punkrock-Granate und begeistert neben seiner Eingängigkeit mit einer tollen Leadgitarre. Spielerisches Können, gepaart mit wild rockendem Punk und genügend Ruhemomenten, machen unterm Strich 1A-Qualitätsware, die weit über dem allgemeinen Veröffentlichungsdurchschnitt liegt. Intelligenter Power-Rock für den zivilen Ungehorsam. (8) Lars Weigelt

KREUZER – Stadtmagazin Leipzig – Ausgabe Januar 2011

Musik kann, das zeigt das Leipziger Quintett, noch politische Inhalte transportieren, ohne nach sozialpädagogischem Milieu zu müffeln. Ihre erste CD präsentiert guten alten, dreckigen Rock'n'Roll. Bauchiger Kraut-und-Rüben-Rock mit deftig untergehobenenm Punk bildet eine monolithische Midtempo-Decke. Darin eingelassen sind fein ziselierte Folk- und Stoner-Rock-Linien. Ganze drei Gitarren besorgen einen röhrend fetten Sound, der zwischenzeitlich in kleine Metal-Tiraden gipfelt und allzeit groovt. Die durchweg kritischen, in deutscher Zunge präsentierten Texte behandeln die große und kleine Politik. Da ist von Rattenfängern und Heilsbringern die Rede, „Heul doch!“ schlägt es dem Bonus-Banker entgegen und der obligatorische Anti-Nazi-Song ist auch enthalten. Kurzum, die Scheibe ist Agit-Rock at it's best. Anspieltipp: Das „Herbstlied“ macht auch im Januar Lust auf mehr Politik und so.Tobias Prüwer

ZEITPUNKT -  Kulturmagazin Leipzig – Ausgabe Januar 2011

Ende der Achtziger, als der Graue-Herren-Staat diesseits der Mauer den Sargdeckel hochklappte, gab es eine, mittlerweile aus dem kollektiven Gedächtnis fast gelöschte, Hymne: „Abend in der Stadt" von Aufbruch. Und genauso klingen Granmas Darlehen heute. Das Beste des Bluesrock, dazu eine Prise Motörhead und genug Wut im Bauch, um Veränderung herbei zu singen. Die Leipziger Herren um Sänger Henne bespielen mittlerweile die wichtigen Festivals, vergessen dabei aber niemals ihre Botschaft. Elf auf den Punkt geschossene Songs gegen die indoktrinierte Einbahnstraße, elf Hymnen voller Meinung und Kraft. Da will man wieder Barrikaden sehen. Da will man wieder zivilen Ungehorsam in bester demokratischer Manier. Ein Album wie ein erfrischender Klick auf Assanges Wikileaks, erfreulich unkonform, erobernd Leipzig. Gegen den Strom. Eine Band, die weit weit mehr wert hat, als all die Popdiskurskapellen der letzten Jahre, weil sie den Menschen wieder ihre Lieder bringt und nicht die vorgeschriebenen Lieder zur Einschlafzeit. Aufwachen, Bürger. Es ist Krieg!
OOOO Volly Tanner

Interview mit Volly Tanner in der Stadtteilzeitung 3Viertel

Du sollst den Wein  achten

Die Schleußiger Jungs von GRANMAS DARLEHEN haben für den Gabentisch ein Album „Bürgerkrieg“ kreiert
und Volly Tanner spricht mit Leadsänger Henne über alles, nur nicht darüber.

Shalom Henne, Du bist ja ein richtiger Bilderbuchrocker. Wie sieht denn da Weihnachten bei Dir aus? Alkohol und nackte Frauen?
Shalom Herr Tanner! Weihnachten? Da ich mich in philosemitischen Zusammenhängen bewege, will ich christlichen Ritualen nicht zu viel Raum und Zeit opfern. Lieber gehe ich in den Dezembertagen in die Innenstadt, genieße die Ruhe und lass mir von älteren Damen mein Gelenktäschchen klauen. So hat jeder was davon. Ich brauch nicht mehr mit meinem Trabi zu fahren, die älteren Damen haben ihrem nölenden Alten zu Hause was aus der Stadt mitgebracht und die LVZ kann was über einen signifikanten Anstieg der Rentnerkriminalität schreiben. Keine Ursache, Herr Hilder!
Achso: Alkohol? Na klar, steckt ja schon im Name: man/frau soll den Wein achten! Verstehnse?! Nackte Frauen? Weiß ich doch jetzt noch nicht. Ich vermute aber, schon...

Der Rocker an sich und die Reinlichkeit. Da stellen sich Fragen, zum Beispiel: nach wie vielen Tagen drehst Du Deine Unterhosen auf links und warum?
Unterhosen??? Außerdem brauch ich nichts auf links zu drehen, ist alles schon. Wäre ich darüber hinaus an Reinlichkeit interessiert, wüsste ich davon. Ich lasse aber vorsichtshalber hin und wieder (meist gegen Jahresende) meine Klamotten von nackten Frauen in Alkohol einlegen; ob das was bringt, weiß ich allerdings auch nicht.

Nächstes Klischee: Rocker und Revolution. Steckt aber nicht in jedem Musikanten auch ein Spießer, ein Caféhausrevoluzzerspießer?
Versteh ich nicht... Wieso soll in einem Musikanten ein Spießer stecken? Und vor allem: Wo? Im Rücken, in der Brust oder im Auge oder was?! Das tut doch weh! Also, was mich betrifft: Ich habe gerade meine flüchtige Bekannte, die vor fünf Minuten nackend mit ner Pulle Kumpeltod zur Türe reinkam, befragt, ob sie so nen Spießer an bzw. in mir entdecken kann. Nüscht hat sie gefunden. Und sie ist Brillenträgerin!!! Und fährt VW Lupe, oder wie das Ding heißt.
Was Revolutionen im Allgemeinen betrifft: echte Revolutionen sind nicht friedlich. Da muss der Kopp ab – mindestens! Oder wenigstens laut und krachig müssen sie sein. Alles andere ist was für Leute mit Revoluzzermützen, die hauptberuflich, sagen wir mal, Lampenputzer sind. Von diesen Berufsbildern gibt’s aber ja, trotz SPD und alledem, jetzt wieder mehr. Bloß gut.
Aber vielleicht können wir ja mal gemeinsam ne Revolution anzetteln. Wenns am Ende schief geht, sagen wir einfach, die Ausländer waren, genetisch bedingt, Schuld. Damit kommen wir 100 pro durch und werden möglicherweise auch noch reich. Und von dem Reinerlös kaufen wir uns jede Menge falscher Pornobalken und statten damit 80er-Jahre Partys aus. Herr Tanner, übernehmen Sie!

Du sagst: Freiheit ist relativ – Dummheit nicht! Was ist denn Dummheit genau? Und was ist Freiheit?
Wenn ich nicht sage, dass mir das und das nicht passt und ich auch nichts dagegen unternehme, dass das, was mir nicht passt nicht mehr geschieht, dann könnte man das als dumm bezeichnen. Aber: Dummheit kann man nicht verbieten. Und leider ist das gut so.
Freiheit wiederum ist die individuelle Möglichkeit, dem, was mir nicht passt, etwas entgegen setzen zu können. Wem das zu schwierig ist, fragt z.B. die Herren Westerwelle oder Jesse was Freiheit ist. Und von wem sie bedroht wird.

Deine Band heißt Granmas Darlehen – seid ihr eine Horde von Schmarotzern?
Definieren Sie bitte den Begriff „Schmarotzer“, Sie Schmierfink, Sie Möchte-Gern-Kisch, Sie!!
Diese Frage muss jede(r) Leser(in) oder Hörer(in) selbst beantworten. Deshalb Hausaufgabe bis zum nächsten Mal: 1. Warum wird Granmas ohne „d“ geschrieben? 2. Was hat es mit dem Logo („Ei, da ist ja ein Schiff drauf!“) auf sich? 3. Finden Sie sekundär-semantische Motivationen, d.h. Deutungskonkurrenzen, zum Wort „Darlehen“! Und: Wer war nochmal dieser Guevara de la Serna?
Nichtsdestotrotz werden Spenden natürlich jederzeit bereitwillig und gerne angenommen. Von jedermann /-frau! Kommen auch ins Haus. Die Frage ist aber, ob das was mit der Frage zu tun hat.

Und nächstes Jahr? Nehmt Ihr dann endlich die politisch Gestaltenden ernst?
Wer soll'n das sein? Ernst was? Thälmann? Jandl? Jünger? Älter? Fall? Eiswürfel? Rainer? Also Rainer Ernst vom BFC? Oder doch einfach Rainer Zufall? Das ist mir jetzt aber zu albern.
Aber nächstes Jahr ist das Jahr des Hasen. Da sperren wir schön unsere Lauscher auf, damit da ne ordentliche Ladung Rock‘n‘Roll reinpasst und man nicht so viel von den großen Reden der politisch Gestaltenden mitkriegt. Denn wie sagte mal ein großer Philosoph: Politicians are the bastards who steal your money.
Deshalb: Feiert lieber Weihnachten, wer weiß ob ihr euch das nächstes Jahr noch leisten könnt. Es könnte zudem auch sein, dass das Fest bald verboten wird, weil wahlweise die schleichende Islamisierung oder die Sekularisierung eures deutschen Vaterlandes dafür verantwortlich sein wird, dass die Geburtstagssause zu Ehren des unehelichen Sohns eines jüdischen Tischlers abgesagt wird. Vielleicht verrät aber auch Coca Cola seine Geheimrezeptur und fördert zusammen mit Nestle Trinkwasserprogramme in Regionen, wo sie das jetzt noch nicht tun... Man weiß ja nie.

Danke!!!!!
Keine Ursache!!